Klimaschutz in Gelsenkirchen

Der Klimawandel macht auch vor Gelsenkirchen nicht halt. Das zeigt nicht nur die Statistik, auch die Bürger:innen bemerken die Folgen und erfahren Starkregen, Hitzewellen und Trockenperioden - kurzum Extremwetterereignisse - mit zunehmender Häufigkeit und Intensität.

Chronik Klimapolitik

Ein Überblick über bisherige Ratsbeschlüsse und Konzepte der Stadt Gelsenkirchen zum Thema Klimaschutz und Klimaanpassung.

KlimaGEnial - Info & Beratung

Weiterführende Informationen zur Klimakampagne der Stadt Gelsenkirchen und Zugang zu Fördermitteln.

Klimafakten

Die wichtigsten Fakten zu Klimawandel und Klimaschutz im Schnelldurchlauf.

Das Klimakonzept 2030-2050

Das Klimakonzept 2030-2050 entwickelt Handlungsempfehlungen bis 2030 unter Beachtung der Klimaschutzziele des Bundes und bis 2050 unter Beachtung des Pariser Klimaschutzabkommens (das eine Begrenzung der Erwärmung auf unter 2°C, idealerweise auf maximal 1,5°C vorsieht). Dabei bezieht das Konzept sowohl Klimaschutz als auch Klimaanpassung mit ein. Es wird voraussichtlich Anfang 2022 fertiggestellt und vom Stadtrat verabschiedet werden.

Das Konzept wird Leitlinien und Empfehlungen zu ambitionierten, aber erreichbaren Zielen beinhalten. Dazu gehört unter anderem die Umstellung auf eine Betrachtung des für Gelsenkirchen verbleibenden CO2-Budgets statt reiner prozentualer Einsparziele.

 

Bisherige Reduktionssziele aus Klimaschutzkonzepten sind nicht Paris-kompatibel und führen nach jetzigem Stand nicht zur Klimaneutralität in 2050. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat der Bundesregierung in seinem Umweltgutachten 2020 empfohlen, vor dem Hintergrund des Pariser UN-Klimaabkommens CO2-Restbudgets als Zielgröße in Klimaschutzfragen festzulegen. Auch die Stadt Gelsenkirchen hat sich u.a. mit dem Beschluss zum Klimanotstand zu den Zielen des Pariser UN-Klimaabkommens bekannt. Entsprechend wird diese Messgröße auch in der Entwicklung des aktuellen Klimakonzeptes berücksichtigt. Diese Betrachtungsweise kann die Ambitionslücke der bisherigen Einsparungsziele zu den notwendigen Zielen deutlich machen (siehe Abbildung).

Schematische Darstellung der Ambitions- und Umsetzungslücke in der Klimapolitik (SRU 2020).

Schematische Darstellung der Ambitions- und Umsetzungslücke in der Klimapolitik. Quelle: SRU (2020): Umweltgutachten 2020. Für eine entschlossene Umweltpolitik in Deutschland und Europa.

Im Gegensatz zu Emissionsreduktionszielen (z.B. das bisherige städtische 25%-Minderungsziel bis 2020) beschreiben CO2-Restbudgets die Menge an CO2, die bis zum Jahr 2050 noch emittiert werden darf, um den Temperaturanstieg auf 1,5 bis 1,75°C zu begrenzen. Mit entsprechenden Zwischenzielen lässt sich dieses Budget als feste Maximalgröße flexibel auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten vor Ort anpassen. Wer früher mehr einspart, kann sein Budget somit über einen längeren Zeitraum strecken, ohne dabei mehr COauszustoßen, als laut Budget vorgesehen. 

Das gesamt weltweit verfügbare CO2-Budget, um die Paris Ziele einzuhalten, lässt sich mit einigen Umrechnungen auf Deutschland und noch weiter auf einzelne Städte und Gemeinden übertragen. 

Auf Basis des 1,5 Grad Ziels würde das verbleibende Budget für Gelsenkirchen bei ca. 12,8 Mio t liegen. Bei den aktuellen Emissionen pro Jahr würde dieses Budget bereits in wenigen Jahren aufgebraucht sein. Es gilt also, die verbleibende Menge an CO2, die in Gelsenkirchen laut Budget ausgestoßen werden kann, um den Pariser Zielen zu entsprechen, auf einen längeren Zeitraum zu strecken, indem die jährlichen Emissionen stärker gesenkt werden.

Bei einer linearen Absenkung (das heißt gleichmäßiger Senkung Jahr für Jahr) von 6,3 % bzw. Einsparungen von theoretisch 108.000 t pro Jahr (in jedem Jahr erneut) würde Gelsenkirchen ca. im Jahr 2035 klimaneutral sein, ohne dabei in der Summe sein CO2-Restbudget überschritten zu haben.

Das erfordert ambitionierte Ziele über alle Sparten:

  • Starke Senkung des Wärme- und Stromverbrauchs in Wohngebäuden und Wirtschaftsbetrieben
  • Massive Installation neuer Photovoltaik-Anlagen auf Wohn- und Gewerbegebäuden
  • Umfangreiche Sanierungen von Wohngebäuden
  • Reduktion und nachhaltige Umstellung des Verkehrs

Um die ambitionierten Ziele zu erreichen wird das Klimakonzept 2030-2050 der Stadt Gelsenkirchen sich auf folgende Handlungsfelder fokussieren:

    • Vorbild Stadt
    • Haushalte (u.a. Energetische Gebäudesanierung, umweltorientiertes Verhalten im Alltag)
    • Industrie; Gewerbe, Handel, Dienstleistung
    • Energieerzeugung und Energieversorgung
    • Wohnungsmarkt und Wohnungswirtschaft
    • Grüne und blaue Infrastruktur
    • Umweltbildung
    • Öffentlichkeitsarbeit / Klimakampagne
    • Vernetzte Stadt
    • Regionale Einbindung

Bei der Erstellung des Konzeptes wurden bereits jetzt diverse Akteure der Stadtverwaltung und Politik, aber auch einzelne Bürger:innen (unter anderem durch eine groß angelegte Befragung) eingebunden. Als grobe Ergebnisse lassen sich bereits jetzt folgende Wünsche ausmachen:

  • Die Stadtverwaltung sollte stärker als Vorbild gegenüber Bürgerschaft und Wirtschaft agieren, vor allem im Bereich nachhaltige Mobilität
  • Klimaschutz und -anpassung sollten aufgrund ihrer Bedeutung bei finanzwirksamen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden
  • Die Anpassung an den Klimawandel im öffentlichen Raum sollte stärker vorangetrieben werden
  • Der Erzeugung Erneuerbarer Energien im Stadtraum (Photovoltaik auf Bussen, an Spielplätzen, öffentlichen Gebäuden etc.) wird ein hohes Maß an Bedeutung zugesprochen
  • Laufende Klimaschutz- und anpassungsprozesse sollten durch eine übergreifende, insitutionalisierte Zusammenarbeit begleitet und gefördert werden

Sobald weitere Zwischenergebnisse der Konzepterstellung vorliegen, werden Sie hier entsprechende Informationen dazu finden.

Ideenkarte

Im Oktober und November 2020 konnten über eine Online-Ideenkarte Projektvorschläge und Ideen zu unterschiedlichen Handlungsfeldern direkt in eine Karte eingetragen und kommentiert werden. Diese Vorschläge fließen in die Entwicklung des Klimakonzeptes auf Seiten der Stadt und in die Arbeit des KlimaForums ein. Eine Übersicht aller bisher eingereichten Ideen und Vorschläge findet sich unter folgendem Link.