Wissen, Transfer, Impulse
Nachhaltigkeit an der Westfälischen Hochschule
„Nachhaltigkeit ist integraler Bestandteil unserer Arbeit und Kompass für unser Handeln. Die Ausgewogenheit in den drei Nachhaltigkeits-Dimensionen ökologische Verantwortung, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ist uns dabei wichtig.“ So formuliert die Westfälische Hochschule ihr Nachhaltigkeitsverständnis, dessen Umsetzung sie Ende 2024 erstmalig in einem umfassenden Statusbericht dargestellt hat. Dieser gibt einen fundierten Einblick in die vielfältigen Aktivitäten, mit denen die Hochschule eine nachhaltige Entwicklung in Studium und Lehre, Forschung, Third Mission und im eigenen Campus-Betrieb entschieden vorantreibt.
Die Westfälische Hochschule hat ihre Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Umwelt bereits in ihrer Grundordnung verankert. Dort ist festgelegt, dass sie ihre Aufgaben in Lehre, Forschung und Studium als „einen Beitrag zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Entwicklung einer friedlichen, demokratischen und toleranten Welt“ erfüllt. So sind die MINT-Studiengänge, die rund 70 Prozent der Studierenden ausmachen, seit Bestehen der Hochschule auf ökologische Nachhaltigkeit ausgerichtet. In den letzten Jahren wurden zudem ganze Studiengänge wie „Nachhaltige biologische und chemische Technologien (NBCT)“, „Umweltingenieurwissenschaften“ oder „Sustainable Engineering & Management“ entwickelt, die ökologische Nachhaltigkeit als Leitgedanken tragen. Auch wurden in einzelnen Studiengängen passende Studienschwerpunkte eingerichtet, die explizit auf Nachhaltigkeit einzahlen, wie zum Beispiel „Nachhaltigkeitsmanagement“ im Studiengang Management. Auch einzelne Lehrveranstaltungen widmen sich Nachhaltigkeitsthemen, wie zum Beispiel das Seminar „Umweltkommunikation“ am Institut für Journalismus und PR. Neben der Weiterentwicklung des Studienangebots gibt es auch noch projekt-basierte Module für reale Gestaltungsaufgaben der Zukunft sowie Projekte für ehrenamtliches oder gesellschaftliches Engagement. In den Maker-Spaces an den Standorten werden außerdem gezielt Projekte mit Nachhaltigkeitsbezug ermöglicht.
Die Studierenden sollen so gezielt in die Lage versetzt werden, achtsam mit dem Einsatz von Ressourcen umzugehen, neue Lösungen für eine nachhaltige Lebensführung, Energieversorgung und Mobilität zu entwickeln und umzusetzen, Wertstoffe wieder dem Wirtschaftskreislauf zuzuführen und die Konsequenzen ihrer Handlungen abzuschätzen. Als Absolvent:innen können sie später bei ihren Arbeitgebern über neue technische Lösungen den Materialeinsatz senken, den erforderlichen Energieeinsatz reduzieren, neue Ansätze in der Energieerzeugung oder im Wertstoffrecycling implementieren. Besondere Leistungen von Studierenden im Bereich Nachhaltigkeit werden mit Preisen ausgezeichnet: Seit 1999 verleiht die Technologieeinheit der Uniper SE jedes Jahr einen Energie- und Umweltpreis an Studierende der Westfälischen Hochschule. Auch innovative Masterarbeiten oder Promotionen können mit dem Preis der AGR „Für Mensch und Umwelt in der Region“ ausgezeichnet werden. Insgesamt studieren rund 7.600 Studierende an der Westfälischen Hochschule, davon der Großteil, rund 4.200 Studierende in Gelsenkirchen, weitere in Recklinghausen und Bocholt. Dabei hebt der Bericht unter dem Aspekt der sozialen Nachhaltigkeit die hohen Anteile an Kindern auch Nicht-Akademiker-Familien und Familien mit Zuwanderungsgeschichte hervor.
Auch die Forschung an der Westfälischen Hochschule erarbeitet auf Basis des neuesten (technologischen) Wissens innovative Problemlösungen und gibt Impulse für nachhaltige Entwicklungen. Mit dem Westfälischen Energieinstitut (WEI) wurde bereits vor vielen Jahren einer der größten Forschungsschwerpunkte der Hochschule im Bereich Energie eingerichtet. Hier arbeiten mehr als 20 Professor:innen an Lösungen der Energieversorgung für morgen. Das WEI befasst sich interdisziplinär mit unterschiedlichen Facetten wie Energiegewinnung, -umwandlung, -verteilung, -speicherung und -nutzung unter Einschluss energiewirtschaftlicher und energiepolitischer Fragestellungen. Besonders forschungsstark ist die Westfälische Hochschule im Bereich der Wasserstoff/Energiespeicherung, wie auch aktuelle Bestrebungen zur Errichtung eines „H2-Solution-Labs“ sowie die Etablierung des neuen Studiengangs „Wasserstoffsysteme und Erneuerbare Energien“ zeigen.
Der Statusbericht Nachhaltigkeit zeigt zudem an Fallbeispielen eindrucksvoll auf, wie die breite „Forschungslandschaft Nachhaltigkeit“ sowohl technisch- ingenieurwissenschaftliche als auch sozial- wirtschaftswissenschaftliche Forschung vereint und interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht. Das interne Förderformat „Research Challenge Sustainability“ bietet Forschenden und Studierenden aller Fachdisziplinen der Westfälischen Hochschule die Möglichkeit, Mittel für die Umsetzung von Forschungsprojekten zu akquirieren. Auch für zukünftige Entwicklungen legt der Hochschulentwicklungsplan (2023-2029) einen Fokus auf den Bereich ökologische Nachhaltigkeit und die Themenschwerpunkte „Wasserstoffwertschöpfungsketten“, „Ressourcenmanagement“ sowie „zirkuläre Wertschöpfung“. Im Rahmen ihrer „Third Mission“ sorgt die Westfälische Hochschule aktiv für einen entsprechenden Technologietransfer, beteiligt sich an Debatten und bezieht Position. Hochschulmitglieder und Studierende werden zum Transfer von Beiträgen zur Nachhaltigkeit in die Gesellschaft ermutigt.
Nicht zuletzt steht auch im eigentlichen Campusbetrieb der achtsame Umgang mit Ressourcen im Fokus. So werden die Verbrauchsdaten im Gebäudemanagement aktiv erfasst und bewertet. Seit 2009/2010 verfügt die Westfälische Hochschule an allen drei Standorten über zahlreiche Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt 292 kWp. Um die Umweltleistung weiter zu verbessern, wird unter anderem eine EMAS-Zertifizierung (Eco Management and Audit Scheme) angestrebt. Ein integriertes Klimaschutzkonzept für alle drei Standorte erarbeitet konkrete Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen.
Beim Betrieb der Cafeterien und Mensen achtet das AKAFÖ auf Umwelt- und Sozialstandards. Das Beschaffungswesen insgesamt wird ebenfalls auf Nachhaltigkeits-Aspekte ausgerichtet. Dabei ist ein Bereich bei einer „Pendlerhochschule“ besonders relevant: Die durch die Mobilität zu den Hochschulstandorten verursachten Emissionen übersteigen nämlich die des übrigen Campus-Betriebs um ein Mehrfaches. Deshalb werden derzeit auf Grundlage einer Mobilitätsbefragung Maßnahmen erarbeitet. Sie sollen zur nachhaltigeren Gestaltung der Mobilität von Studierenden und Mitarbeiter:innen beitragen - und weitere Maßnahmen auch auf kommunaler Ebene anregen.
> Der aktuelle Statusbericht Nachhaltigkeit der Westfälischen Hochschule ist unter folgendem Link abrufbar: https://www.w-hs.de/fileadmin/Oeffentlich/Praesidium/Nachhaltigkeit/Nachhaltigkeit/WH_Nachh_Statusbericht_2024_Web.pdf
